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Rittergut Kössern – Energie für Akku und Seele!

Im Rahmen einer kleinen Präsentation, die ich vor einiger Zeit vor einem ausgewählten Kreis honoriger Persönlichkeiten des Vereins privater Denkmaleigentümer in Sachsen halten durfte, hatte ich die Gelegenheit das in neuem und wunderbaren Licht erstrahlte Rittergut in Kössern betreten zu dürfen. Innen wie außen herrlich restauriert, fühlte ich mich sofort sehr wohl in den zu neuem Leben erweckten Räumlichkeiten. Nicht zuletzt dazu beigetragen hat der freundliche Empfang durch den offenen und sehr sympathischen Eigentümer! Die Tatsache, dass er selber hier Hand angelegt hat und große Teile der Restauration mit eigener Körperkraft und der Unterstützung seiner Freunde gestemmt hat, hat mich tief beeindruckt!

Ich kann bereits an dieser Stelle nur empfehlen: unbedingt mal hinfahren zum Rittergut Kössern, es lohnt sich!!!

Hoch über der Mulde gelegen, bietet sich vom Rittergut Kössern aus ein herrlicher Blick über die Muldeauen und den nahen Fluss. Nicht weit von Grimma, liegt das beschauliche Dorf Kössern mitten im Muldental. Mit dem Rittergut ist Kössern nun um eine weitere Attraktion reicher. Denn schon seit einigen Jahren bietet hier das Jagdhaus Kössern ein reichhaltiges kulturelles Angebot, das sehr gut angenommen wird.

Das Rittergut Kössern bietet mit dem hauseigenen Hofladen und den großzügigen Veranstaltungsräumlichkeiten eine schöne Ergänzung dazu.

Energie für das Landleben

Das Rittergut wirbt mit dem Slogan "Energie für Akku und Seele" für sich. Das ist wortwörtlich gemeint! Denn auf dem Parkplatz des Rittergutes sind vier Elektromobilitäts-Ladesäulen installiert. Und das im ländlichen Raum! Unterstützt von den Stadtwerken Leipzig hat sich der Eigentümer des Rittergutes dazu entschlossen, "den Strom an unseren Ladesäulen (sowohl für Automobile als auch für Fahrräder) bis auf weiteres kostenlos an die Nutzer abzugeben. Dies ist unser Beitrag für eine Energieversorgung der Zukunft unter Nutzung der Elektromobilität. Melden Sie sich einfach bei uns im Hofladen, um die Ladesäulen freizuschalten!". Alles weitere zu diesem attraktiven Angebot finden Sie auf der Webseite des Rittergutes.

Geschichtliches

Bevor ich nun selber versuche, etwas zur Geschichte des Rittergutes zusammenzutragen, lasse ich lieber jemanden zu Wort kommen, der sich da bestens auskennt:

Hier klicken: Zur Geschichte des Ritterguts Kössern | Autor Bernd Wagner

Rittergut - alles gut?

Zur wechselvollen Geschichte des Ritterguts Kössern von Bernd Wagner | Jagdhaus Kössern

Vor fast neunzehn Jahren fuhr ich zum ersten Mal über die Muldebrücke nach Kössern. Es war Ende April, die Natur war erwacht, Dorf und Jagdhaus leuchteten in der Abendsonne. Selbst die Gebäude auf dem Hochufer passten trotz ihres morbiden Eindruckes gut ins Bild, irgendwie verwunschen. Bei näherem Hinsehen erwiesen sie sich weniger romantisch als vielmehr baufällig.

Im Laufe der Zeit erfuhr ich mehr von diesen Häusern und den ehemaligen Besitzern des Rittergutes. Mein Interesse wuchs, denn das Gut und seine Eigentümer spielten in der Geschichte des Ortes eine große Rolle. Besucher zeigen sich vom traumhaften Blick auf die Muldenufer und die umliegende Landschaft begeistert. Die Frage "Was soll aus diesen Gebäuden werden?" ist programmiert.

Ja, was soll daraus werden?

Vorfreude auf Kommendes ist angesagt, haben doch im Jahre 2012 zwei Optimisten das Geschehen in die Hand genommen: Jörn-Heinrich Tobaben und Mirko Kück erwarben Grundstück und Bauten, und sie haben große Pläne. Es tut sich etwas, über die Mulde hinweg beginnen die Fassaden zu strahlen. In den Häusern wirken Architekten, Handwerker und Künstler, um das Vergangene zu bewahren und Neues zu schaffen. Das Werk ist zu großen Teilen vollbracht. Eine Vision wird wahr, die ihre Anziehungskraft aus der Historie bezieht. Zukunft wächst nun einmal aus der Geschichte.

Versuchen wir, die Vergangenheit aufzuhellen. Die graue Vorzeit bleibt im Dunkel. Die Ersterwähnung von 1541 nennt die Herren von Arras als Besitzer, später folgen die von Techwitz, die von Lohß, die von der Oelsnitz, die von Haugwitz und schließlich die von Lohma. Mehr ist uns überliefert aus den Jahren, als das Gut denen von Erdmannsdorff gehörte. Hier zählen wir fünf Eigentümer, beginnend mit Hanns Dietrich und endend mit Friedrich Wilhelm. Hier ist vor allem Wolf Dietrich von Erdmannsdorff zu nennen, Ältestenminister im Kabinett des Kurfürsten Friedrich August I. - als August II. zudem König von Polen und Großfürst von Litauen - bekannt als August der Starke. Gut und Jagdhaus erwarb die Familie von Abendroth im Jahre 1772, sie besaß es über 170 Jahre, bis zur Enteignung nach dem 2. Weltkrieg.

Nunmehr ist das Rittergut im Privatbesitz, nachdem es zu DDR-Zeiten im Volkseigentum stand und ab 1990 der Gemeinde Kössern, später Großbothen, gehörte.

Das sind die Fakten, mehr oder weniger bekannt und dokumentiert. Geschichte ist aber doch wohl vorrangig das, was Menschen erlebten und gestalteten, litten und taten.

Wer erzählt davon?

Die Steine, aus denen Herrenhaus, Gesindehaus und Ställe erbaut wurden, könnten berichten von Glanz und Elend, von Freude und Sorge, von bekannten und unbekannten Schicksalen. Doch sie schweigen. Was mag der beinahe quadratische Raum im Inneren des Herrenhauses, der als Wohnturm diente und wohl weit über 500 Jahre alt ist, gesehen haben, welche Worte verhallten in den gotischen Gewölben?

Es ist der älteste erhaltene Raum im Gut und überdauerte nicht nur den Renaissance-Neubau von 1695, sondern auch die Erneuerung von 1894, als die Neorenaissance-Fassade errichtet wurde. Weniges ist von Zeitzeugen überliefert worden, Schriftstücke bezeugen, wie das Gut vor 250 Jahren zu einem landwirtschaftlichen Großbetrieb und damit zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes zu wachsen begann. Es vergrößerte sich auch territorial und umfasste zum Ende des 2. Weltkrieges 234 ha, davon 173 ha landwirtschaftlicher Fläche und 51 ha Wald. Durch die vielen Beschäftigten, die das Rittergut in Lohn und Brot hielt, entwickelte sich das Dorf zu einer Guts- und Industriearbeitersiedlung. Neben der großen Palette land- und forstwirtschaftlicher Arbeiten gehörte zum Gut auch eine Schnapsbrennerei. Kössern war faktisch autark. Wie lebten nun die Menschen, die Besitzer auf der einen Seite, die Knechte, Mägde, Landarbeiter und Handwerker auf der anderen? Oder gab es nicht nur zwei Seiten? Existierten noch viel mehr Facetten im dörflichen Miteinander und Gegeneinander?

Die "dankbaren Knechte und Mägde" gratulierten am 1. Juli 1887 "Seiner Hochwohlgeboren, Herrn Rittergutsbesitzer Alfred von Abendroth" zum "25-jährigen Wirthschaftsjubiläum" mit einer aufwändigen Urkunde. Der "Volkstumswart" Erich Fritsche berichtete während der Naziherrschaft in einer Niederschrift: "Die Einwohner Kössern waren hochprozentig links gerichtet und standen im Kampf gegen das Rittergut ... Die Wohn- und Lebensverhältnisse ... sind sehr bescheiden ... Sitte und Brauchtum ... wenig vorhanden"

In seinen Memoiren schreibt Ferdinand von Abendroth (1881 - 1969), letzter Besitzer des Ritterguts, dass die enteignete Familie während der Internierung auf Schloss Colditz "viele Besuche ... von unseren Leuten in Kössern" hatte, "sie brachten uns immer etwas für den täglichen Bedarf mit."

Wie passt das zusammen?

Er berichtet zudem von seiner antifaschistischen Einstellung, von seinen Auseinandersetzungen mit Nazi-Orts- und -Kreisleitern und dass er zweimal knapp am KZ vorbeigekommen sei. Seinem Enkel, Friedrich von Abendroth (*1939), sind die Erinnerungen an Kössern und die Ereignisse um die Enteignung und Vertreibung noch immer gegenwärtig. Er sieht seinen Großvater als ausgesprochene Autorität, Nazigegner, guten Wirtschafter und zusammen mit seiner Frau stets um das Wohl seiner Arbeiter und Angestellten bemüht. Umso tiefer haben die Ereignisse im Oktober 1945 die Familie getroffen, als sie von einem Tag auf den anderen Besitz und Heimat verloren. Sie wurden zusammen mit aus dem Osten geflohenen Gutsbesitzern, die hier untergekommen waren, ins Lager Colditz verbracht. Entwürdigend die Umstände der Internierung, an die seit 2012 eine Gedenktafel im Schlosshof erinnert, und schließlich der Transport nach Rügen; von dort gelang die Flucht in die britische Besatzungszone.

"Junkerland in Bauernhand" - auch über dem Rittergut zu Kössern flatterte am 14.10.1945 das Transparent, mit dem eine neue Zeit eingeläutet werden sollte. Aus dem Besitz wurden 15 Neubauernstellen geschaffen, eine Gärtnerstelle, 42 Kleinsiedlerstellen und 32 Kleingärten.

Beschämend für die Propheten und Aktivisten der "klassenlosen Gesellschaft", dass ohne Ansehen und Würdigung von individueller Schuld oder Unschuld, von Verdiensten oder Versagen, von Menschlichkeit oder Brutalität, allein gemessen an Herkunft und Hektarzahlen auf ostdeutschem Boden tausende von Familien ihrer Existenz beraubt wurden. War Ferdinand von Abendroths "deutschnationaler" Widerstand gegen die Nationalsozialisten weniger wert als der "proletarische", wie ihm in Colditz vom Staatsanwalt vorgeworfen wurde?

Über tausend Jahre herrschte der Adel in den Ländern Europas. Unbestreitbar haben manche seiner Exponenten Missbrauch mit ihrer Macht getrieben, unbestreitbar haben die Armen ein Recht darauf, in Würde zu leben, unbestreitbar ist der Besitz an Grund und Boden die Basis gewesen, auf der politischer Einfluss, Prunk und Standesdünkel wuchsen. Diese Wahrheiten geben aber niemandem das Recht, Menschen in Viehwaggons zu pferchen, sie als "Mordgesindel" zu brandmarken, ihre Güter zu plündern, die Herrenhäuser und Adelssitze abzureißen und "den Adel" für alle Verbrechen seit der Völkerwanderung verantwortlich zu machen.

Die Bodenreform ist Geschichte - 1989 wurde der Status quo festgeschrieben, auch als ein Preis für die staatliche Einheit Deutschlands. Nach der Enteignung ging es mit dem Rittergut sichtbar abwärts, Teile des Herrenhauses wurden abgerissen, die Substanz verfiel. Baumaterial, Geld und staatliches Interesse an der Erhaltung waren nicht vorhanden und so kam das Rittergut mit einem erheblichen Reparatur- und Investitionsstau an die Gemeinde Kössern und später nach Großbothen. Die Veräußerung der Immobilie war der Ausweg, den die Gemeinde gehen wollte, aber mehrere Versuche liefen ins Leere, potentielle Investoren sprangen ab. Irgendwann gelang der Verkauf per Versteigerung, aber der Erwerber ließ sich bald nicht mehr sehen. Hatte er sich übernommen? Nun schließt sich der Kreis unserer Betrachtungen, hat doch im Jahre 2012 die Perspektive einer gedeihlichen Zukunft einen neuen Anfang genommen.

Die zwei genannten Investoren haben sich in das Gut und seine herrliche Lage verliebt. Die Baumaßnahmen zeigen Ergebnisse, die für alle sichtbar sind. Es gibt ein Konzept für die Nutzung der Gebäude und Flächen, Fördermittel werden fließen und der aufmerksame Betrachter spürt, dass die Umsetzung schnelle Fortschritte macht. Im Herrenhaus entstehen die Wohnungen der Eigentümer, Erhaltenes wird schonend bewahrt.

So bekommt der Betrachter einen authentischen Eindruck vom Aussehen des "Gotischen Saales" (oder "Gartensaals") und des alten Wohnturmes, der nunmehr als Küche dient. Das ehemalige Gesindehaus wird Wohnzwecken dienen. Im Kuhstall werden eine Ausstellungsgalerie, ein Hofladen und ein Café installiert. Der Gutshof bleibt autofrei, sein altes Antlitz, samt einem Teich, wird aufleben.

Große Pläne, viel Arbeit.

Enthusiasmus, Wille und klare Ziele lassen aus Visionen Realität werden - wenn Idealismus, Erfahrung und Mut zusammentreffen. Weil die Investoren ihre Aufträge ausschließlich an Handwerker aus Kössern und Umgebung vergeben, wächst eine neue Verbundenheit zwischen Region und Rittergut. Die neuen Besitzer werden angenommen, akzeptiert und respektiert – dass man sie fast jedes Wochenende in Gummistiefeln und mit Werkzeugen in der Hand auf dem Gut antreffen kann, hat dazu beigetragen.

Eine enge Kooperation mit dem Jagdhausverein wird die lange Geschichte des Rittergutes lebendig halten und mit neuen Akzenten bereichern. Das "Schloss", wie alte Kösserner die Rittergutsgebäude noch heute nennen, erwacht aus seinem Schlaf. Ein Schritt ist gemacht - Kössern zehrt von seiner Geschichte in einer lebenswerten Gegenwart und hat eine hoffnungsfrohe Zukunft.


"Mein Grimma lob ich mir"

An dieser Stelle eine Buchempfehlung der Redaktion von Region Leipzig:
"Mein Grimma lob' ich mir - Band 2: Von Grimma und dem Muldenland"

Leider ist es zum Zeitpunkt als ich diesen Beitrag schrieb nicht im Online-Handel erhältlich.
Verkauft wird das Buch aber zu einem Preis von 15 Euro bei

  • Druckerei Bode Wurzen, Domplatz 12
  • Bücherwurm Grimma, Hohnstädter Str.12
  • Stadtverwaltung Grimma

Heute aktueller Link bei der Druckerei: http://www.druckereibode-wurzen.de/News.htm
wie lange das Buch dort noch in den "News" erscheint kann ich leider nicht sagen

Mein Grimma lob ich mir - Band 1

Band 1 gibt (gab) es hingegen auch bei Amazon: Mein Grimma lob ich mir

Horst Naumann und Robert Kunze Gebundene Ausgabe – 2012
von Naumann, Horst und Kunze, Robert (Autor)

[Quelle: Webseite Rittergut Kössern]


Links im Internet zum Beitrag

Rittergut Kössern

Das Rittergut Kössern hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Lange schlummerte es und verfiel vor sich hin. Doch 2012 wurde es erweckt und strahlt heute mehr denn je!

Jagdhaus Kössern

Jagdhaus Kössern - Barockes Kleinod im Muldental! Das im Stil eines großen Herrenhauses um 1709 errichtete Jagdhaus – oft auch als Jagdschloss bezeichnet - gilt als herausragendes Kleinod barocker Baukunst im Muldental. Schon von weitem grüßt das hohe Mansarddach die Besucher. Die straff gegliederte, reich bemalte Fass...

Verein privater Denkmaleigentümer in Sachsen e. V.

Gegründet im Jahr 2008, mit dem Gedanken, Brücken zueinander zu schlagen und die ländliche Kultur durch gemeinsames Handeln zu retten, zu beleben und zu vermitteln.

Wegweiser


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Über den Autor
Thomas Braun
Autor: Thomas BraunWebsite: www.braun-immowert.deE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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Der gebürtiger Essener lebt seit vielen Jahren in der Region Leipzig und hat dieses Projekt ins Leben gerufen. Der gelernte Industriekaufman hat zudem Betriebswirtschaft studiert und ist heute als Sachverständiger für Immobilienbewertung bundesweit tätig. Der passionierte Fotograf liebt die Natur und ist dementsprechend in der Region unterwegs.